Die führenden deutschen Vermögensverwalter rechnen mit großer Mehrheit damit, dass nach der Deutschen Skatbank weitere Geldinstitute Negativzinsen auf Tagesgeldkonten erheben werden. 78 Prozent der für das Asset Manager Barometer (AMB) vom November befragten Experten halten es für wahrscheinlich, dass weitere Banken dem Beispiel folgen werden. 20 Prozent rechnen nicht damit.

von Wolfgang Ehrensberger (BÖRSE-ONLINE, Link zum Originalartikel)

Allerdings glauben nur 58 Prozent der Befragten der Argumentation der Bank, durch das aktuelle Niedrigzinsumfeld sei das Großanlagengeschäft nicht mehr kostendeckend zu betreiben. Die Deutsche Skatbank, Teil der Volks- und Raiffeisenbankengruppe, erhebt seit Anfang November von Kunden, die große Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken, einen Strafzins von 0,25 Prozent. Die Europäische Zentralbank verlangt ihrerseits Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken.
Kunden werden Banken meiden Als Konsequenz dieses Trends rechnen die führenden Vermögensverwalter vor allem damit, dass Kunden ihr Geld bei Negativzinsen nicht mehr zur Bank bringen werden. Banken könnten der Umfrage zufolge außerdem versuchen, gestiegene Kosten auf andere Weise hereinzuholen, etwa über höhere Gebühren für Kreditkarten. Lediglich ein Drittel erwartet, dass es bei negativen Einlagenzinsen zu einem verstärkten Verdrängungswettbewerb unter den Banken kommt. „Die Wettbewerbssituation in Deutschland sollte zumindest vorerst dazu führen, dass nur wenige Institute zu dieser Maßnahme greifen“, sagte Bert-Ardo Spelter von der Vermögensverwaltung ICFB. „Letztendlich muss der Kunde ohnehin entscheiden, ob er bereit ist, für realen Kapitalerhalt Risiken einzugehen oder ohne Risiko Realkapitalverluste zu erleiden.“In der AMB-Umfrage ging es auch um einen möglichen Zerfall der Eurozone, der laut Analysehaus Sentix zuletzt wieder wahrscheinlicher geworden ist. Allerdings rechnet eine große Mehrheit von 88 Prozent der Befragten nicht damit, dass in den kommenden zwölf Monaten mindestens ein Land die Eurozone verlassen wird. Wenn, dann wäre Griechenland wahrscheinlichster Austrittskandidat, gefolgt von Zypern. Die meisten Befragten sind jedoch der Ansicht, dass die Politik einen solchen Zerfall nicht zulassen wird.

EHR