Nach Einschätzung der führenden deutschen Vermögensverwalter wirkt das billige Öl wie ein globales Konjunkturprogramm.

Von Wolfgang Ehrensberger (BÖRSE-ONLINE, Link zum Artikel)

Zwei Drittel der im Asset Manager Barometer für Dezember befragten Anlageprofis rechnen damit, dass der Ölpreisverfall zu einem zusätzlichen Anstieg des weltweiten Bruttoinlandsprodukts führen wird. Ein Drittel ist der Ansicht, dass das Wachstum ungleich ausfallen werde und es in Ländern wie Venezuela oder Russland zu einer Verschlechterung der Lage kommen könne. 17 Prozent erwarten, dass der rapide Ölpreisverfall bei Ölfirmen zu Anleiheausfällen führen könnte, was wiederum – ähnlich wie der Ausfall von Immobilienpapieren – eine globale Finanzkrise auslösen könnte. „Hier liegt der Schwarze Schwan des Jahres 2015“, vermutet Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung. „Wenn der Ölpreis noch weiter fällt, spielt Russland irgendwann verrückt.“ Am Dienstag ist der Ölpreis (Brent Crude) auf das Fünfjahrestief von 65,29 Dollar je Barrel abgesackt. Der rasante Rückgang sorgte für Verunsicherung an Europas Aktienmärkten.

An Öl-Aktien scheiden sich die Geister

Dass der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau bereits seinen Boden gefunden hat, glauben 43 Prozent der Befragten. 33 Prozent rechnen sogar damit, dass die Notierungen nun wieder anziehen. 17 Prozent prognostiizieren dagegen einen weiteren Verfall des Ölpreises. An der Frage, welche Anlageperspektiven sich aus dem niedrigen Ölpreis ergeben, scheiden sich die Geister. Immerhin differenzieren die meisten Befragten zwischen Öl-Aktien wie Total oder Exxon Mobil, die sie als aussichtsreich einstufen, und Öl-Ausrüstern. Von Investments in die Ausrüster raten die meisten ab. „Da große Erdölkonzerne eine hohe Dividende zahlen, sollten sich deren Kursverluste in Grenzen halten“, sagt Alexander Daniels von der Voith Vermögensverwaltung. „Bei den Öl-Ausrüstern dürften die Verluste erheblich höher sein.“ Experten wie Stephan Albrech von der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung empfehlen, auf niedrige Verschuldung zu achten. „Derzeit sollte man eher auf die hoch kapitalisierten Unternehmen setzen“, so Ralf Wiedmann von der Advertum Vermögensverwaltung. „Für kleinere Adressen, deren Geschäftsmodell auf Fracking ausgelegt ist, könnte es in der Konsolidierung eng werden.“